DGUV V3 in Ex-Zonen: Compliance mit BetrSichV und DIN EN 60079-17 am Niederrhein
In explosionsgefährdeten Bereichen (Ex-Zonen) zwischen Bonn und Krefeld müssen Betreiber zwei Welten sauber zusammenführen: die Prüfvorgaben der DGUV Vorschrift 3 für elektrische Anlagen und Betriebsmittel sowie die speziellen Anforderungen des Explosionsschutzes nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und DIN EN 60079-17. Entscheidend ist die klare Abgrenzung, wer was prüft – und nach welchen Kriterien.
- DGUV Vorschrift 3: legt fest, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel vor der ersten Inbetriebnahme und in regelmäßigen Abständen von einer Elektrofachkraft geprüft werden. Ziel ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag, Kurzschluss, Überlast und Lichtbogen.
- BetrSichV und TRBS: die BetrSichV fordert eine Gefährdungsbeurteilung, festgelegte Prüffristen sowie die Prüfung durch “befähigte Personen” (TRBS 1203). Für Ex-Bereiche ist §14 BetrSichV maßgeblich; die TRBS 1201 beschreibt Art und Umfang wiederkehrender Prüfungen.
- DIN EN 60079-17: stellt die Regeln für Inspektion und Instandhaltung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen auf (Visuelle, Nah- und Detailinspektion; Zustandsbewertung; risikobasierte Intervalle). Sie ergänzt die DGUV V3 um Ex-spezifische Kriterien, etwa Dichtheit, Kennzeichnung, Zündschutzarten, Kabel- und Verschraubungssysteme sowie Potenzialausgleich.
In der Praxis heißt das: Die elektrische Sicherheit nach DGUV V3 und der Explosionsschutz nach 60079-17 werden in einem integrierten Prüfprogramm zusammengeführt. Prüfende Personen benötigen sowohl elektrotechnische Qualifikation (Elektrofachkraft) als auch Ex-Kompetenz (befähigte Person Explosionsschutz). Prüfpläne sollten beide Normen adressieren und eindeutig dokumentieren, welche Prüfschritte welchem Regelwerk zugeordnet sind. So schaffen Sie Rechtssicherheit – und Auditfestigkeit – für Chemie-, Pharma- und Raffineriestandorte am Niederrhein.
Risikobasierte Prüffristen, betriebsbegleitende Prüfungen und auditfeste Dokumentation
Statt starrer Intervalle empfehlen die einschlägigen Regeln eine risikobasierte Festlegung der Prüffristen. Maßgeblich sind unter anderem:
- Zone und Gefährdung: 0/20, 1/21, 2/22 mit den jeweiligen Zündquellenrisiken
- Umgebungseinflüsse: chemische Atmosphären, Feuchte, Temperatur, UV, Vibration
- Bauart und Schutzkonzept: Ex d, Ex e, Ex i, Ex t, Ex p, EPL (Ga/Gb/Gc, Da/Db/Dc)
- Betriebs- und Wartungshistorie: Befunde, Störungen, Alter, Herstellerhinweise
- Kritikalität: Auswirkungen auf Sicherheit, Umwelt, Produktion
DIN EN 60079-17 erlaubt die Anpassung von Inspektionsgraden und -intervallen (visuell, nah, detailliert) anhand der Zustandsbewertung. In Kombination mit DGUV V3 ergeben sich oft gestaffelte Pakete: tägliche/wochentliche Sichtkontrollen im Betrieb (Betrieber), periodische Ex-Inspektionen, sowie wiederkehrende elektrische Messungen.
Betriebsbegleitende Prüfungen ohne Produktionsstillstand sind in vielen Fällen möglich, wenn Planung, Arbeitsfreigabe und Hilfsmittel stimmen:
- Nicht-intrusive Prüfmethoden: zugelassene Thermografie (ATEX-geeignete Kamera) zur Hotspot-Ortung, Sicht- und Nahinspektionen von Gehäusen, Kennzeichnungen und Verschraubungen, Funktionsprüfungen von Überwachungen.
- Selektive DGUV-V3-Messungen: z. B. Schleifenimpedanz, RCD-Prüfungen mit Zeitscheiben/Umgehungsmaßnahmen, Isolationsmessung mit reduzierter Prüfspannung bzw. Messung an freigabefähigen Teilsystemen. Schutzmaßnahmen, die eine Abschaltung auslösen, werden in Micro-Stopps oder in geplante Stillstände (Turnaround) gelegt.
- Ex-Integrität bewahren: kein Öffnen von Ex-d-Gehäusen unter Spannung, keine Veränderung der druckgekapselten oder überdruckgekapselten Systeme ohne Freigabe; Verwendung geeigneter Testadapter und Ex-zugelassener Werkzeuge; Arbeiten nur mit gültiger Arbeitserlaubnis (PTW) und Gasfreimessung, wo erforderlich.
Für Konzern-Audits ist die Dokumentation genauso wichtig wie die technische Durchführung. Bewährt haben sich:
- Vollständiges Anlagen- und Gerätekataster (inkl. Zoneneinteilung, Zündschutzart, EPL, Herstellerdaten, Seriennummern, Aufstellort)
- Prüf- und Wartungsstrategien mit Verweis auf DGUV V3, BetrSichV, TRBS und DIN EN 60079-17
- Einzelprotokolle mit Messwerten, Befundklassen, Fotodokumentation, Abweichungslisten und Fristen zur Mängelbeseitigung
- Nachweis der Qualifikation der prüfenden Personen (Elektrofachkraft, befähigte Person Explosionsschutz)
- Änderungs- und Freigabeprozesse (Management of Change) und lückenlose Historie
- Revisionssichere Ablage, eindeutige Versionierung und Exportfähigkeit für Kundenaudits
So lassen sich auch Audits großer Konzerne souverän bedienen – von der Erstprüfung bis zur Rezertifizierung.
Zusammenspiel von EMSR, Schaltschrankbau und Blitzschutz – und typische Mängel in Chemparks
Elektrische Sicherheit in Ex-Zonen ist nie isoliert zu betrachten. Sie entsteht im Zusammenspiel aus EMSR-Montagen, normkonformem Schaltschrankbau und koordiniertem Blitz- und Überspannungsschutz.
- EMSR-Montagen: In Ex-Bereichen sind Leitungsauswahl, Kabelwege, Verschraubungen, Schirm- und Potenzialführung entscheidend. Für Ex i-Stromkreise sind Trennungen und Kennzeichnungen strikt einzuhalten; Loop-Checks und Kalibrierungen müssen die intrinsische Sicherheit erhalten. Erdungs- und Potenzialausgleichssysteme sind die Basis für Funktionssicherheit und EMV – und dürfen nicht mit dem funktionalen PA von Messkreisen kollidieren.
- Schaltschrankbau nach EN 61439: Schaltgerätekombinationen müssen typgeprüft/verifiziert (u. a. Temperaturanstieg, Kurzschlussfestigkeit, Luft-/Kriechstrecken) und dokumentiert sein. In Ex-Zonen werden Schränke häufig außerhalb der Zone platziert; wenn sie innerhalb montiert werden, kommen z. B. Ex-p (Überdruckkapselung) oder druckfeste Gehäuse mit geeigneter Zulassung zum Einsatz. Saubere Dokumentation (Stücklisten, Verdrahtungspläne, Verifikationsunterlagen) ist integraler Prüfgegenstand.
- Blitz- und Überspannungsschutz nach EN 62305: Ein abgestimmtes Schutzkonzept umfasst Äußerer Blitzschutz (Fangeinrichtungen, Ableitungen, Erdungsanlage) und Inneren Blitzschutz (Überspannungs-Schutzeinrichtungen, Potenzialausgleich). In Ex-Zonen ist die Funkenfreiheit von Verbindungen sicherzustellen; Funkenstrecken und nicht geeignete Klemmen sind zu vermeiden. Koordinierte SPD-Stufen schützen sensible EMSR-Technik ebenso wie Antriebe.
Typische Mängel, die wir in Chemparks am Niederrhein regelmäßig feststellen:
- Fehlende oder beschädigte Ex-Kennzeichnungen, unleserliche Typenschilder
- Ungeeignete oder korrodierte Kabelverschraubungen; falsche Dichtsysteme für die eingesetzten Medien
- Nicht normgerechte Klemmenbestückung bei Ex e (zu hohe Packungsdichte, fehlende Endkappen/Trennstege)
- Unvollständiger Potenzialausgleich; fehlende Brücken an Flanschen, Tanks oder Rohrtrassen
- Improvisierte Nachrüstungen ohne MoC-Dokumentation; “fliegende” Steckdosen/Verteiler
- Lücken im Überspannungsschutzkonzept; fehlende SPD-Kaskadierung
- Veraltete Kalibrierungen bei Messumformern; abgelaufene Zulassungen/Zertifikate
- RCD-Selektivitätskonflikte in verästelten Netzen, die zu Fehlauslösungen oder Prüfhemmnissen führen
Ein integriertes Prüf- und Instandhaltungskonzept adressiert diese Punkte gebündelt – idealerweise mit einem Partner, der EMSR, Schaltschrankbau und Blitzschutz aus einem Guss liefert und die Schnittstellen aktiv moderiert. Während wir die Vor-Ort-Dienstleistungen entlang der Niederrheinschiene erbringen, kann der Schaltschrankbau nach EN 61439 für den gesamten deutschsprachigen Raum projektiert, gefertigt und dokumentiert werden.
Regionale Praxis: effiziente Abwicklung, Checklisten und unser Beitrag als Familienunternehmen
In Chemie-, Pharma- und Raffineriestandorten am Niederrhein sind Sicherheits- und Freigabeprozesse ambitioniert – zu Recht. Effizienz entsteht, wenn technische Exzellenz und administrative Einbindung Hand in Hand gehen. Dazu gehört:
- Einbindung in kundeneigene Systeme: elektronische Arbeitserlaubnis (ePTW), Sicherheitsunterweisungen, Zutritts- und Zeiterfassung, Asset- und Ticket-Systeme, Wareneingang/Warenausgang, digitale Prüf- und Abnahmeprozesse sowie kundenspezifische Abrechnungswege. Wir integrieren unsere Prüfprotokolle, Fotodokumentationen und Messwerte in diese Systeme und übernehmen die Termin- und Paketsteuerung für wiederkehrende Prüfungen.
- Flexibles Prüfdesign: Kombination aus laufenden, betriebsbegleitenden Prüfungen und gebündelten Maßnahmen im Stillstand. Kritische Abschaltprüfungen (z. B. RCD-Auslösungen, Hauptsammelschienenprüfungen) werden in Micro-Stopps oder Turnarounds gelegt; Fernwirk- oder Prozessabhängigkeiten werden vorher simuliert oder mit Bypass-/Fallback-Konzepten abgesichert.
- Qualitätssicherung: Vier-Augen-Prinzip bei Befunden, stichprobenartige Peer-Reviews, regelmäßige Schulungen und Nachweise der befähigten Personen, sowie kontinuierliche Verbesserung auf Basis von Audit-Feedback.
Checkliste für Turnarounds (TA) in Ex-Zonen:
- Vorbereitung
- Aktualisierte Gefährdungsbeurteilung und Explosionsschutzdokument; Abgleich Zonenkarten
- Abgestimmter Prüf- und Instandhaltungsumfang (DGUV V3, 60079-17, EN 61439, EN 62305)
- Ersatzteil- und Dichtungskits, Ex-konforme Kabelverschraubungen, Klemmen, Dichtungen
- Prüf- und Messmittel mit gültiger Kalibrierung; ATEX-geeignetes Equipment
- Termin- und Ressourcenplan inkl. Freischaltungen, ePTW, LOTO, Gasfreimessung
- Durchführung
- Sicht-, Nah- und Detailinspektionen gemäß 60079-17; dokumentierte Befundklassen
- DGUV-V3-Messungen inkl. Schutzleiter-, Isolations-, Schleifen- und RCD-Prüfungen
- Schaltschrank-Checks nach EN 61439 (thermische/elektrische Verifikation, Klemmenzustand)
- Blitz-/Überspannungsschutzprüfung nach EN 62305; PA-Messungen und Erdungswiderstände
- EMSR-Funktionsprüfungen (Loop-Checks, Kalibrierungen, Interlocks, Not-Halt)
- Abschluss
- Mängelliste mit Prioritäten und Fristen, Fotos, Messwerte; Abstellmaßnahmen
- As-built-Dokumentation, aktualisierte Stücklisten/Pläne, Nachträge in Assetdatenbank
- Abnahme mit Betreiber, Übergabe an Betrieb, Terminierung Folgeprüfungen
Checkliste für den laufenden Betrieb:
- Periodische Sichtkontrollen in Ex-Zonen (Kennzeichnungen, Gehäuse, Dichtungen, Verschraubungen)
- Reinigung/Kontrolle in staubexplosionsgefährdeten Bereichen (Schichtbildung, Temperaturquellen)
- Thermografie-Routen an kritischen Verteilungen, Motorabgängen, Klemmenkästen
- Funktionsprüfungen von Überwachungseinrichtungen (Druck, Temperatur, Gaswarnsysteme)
- Stichprobenprüfungen DGUV V3 bei ortsveränderlichen Betriebsmitteln; Dokumentenpflege
- Zustands- und Ereignisgetriebene Prüfungen nach Änderungen, Störungen oder Auffälligkeiten
- Pflege des Ex-Gerätekatasters, Nachverfolgung von Zertifikaten und Kalibrierintervallen
- Review der Prüffristen auf Basis realer Befunde (risikobasiert anpassen)
Als familiengeführter Dienstleister in dritter Generation verbinden wir Verlässlichkeit und kurze Wege in der Region mit der Erfahrung aus Jahrzehnten in Chemie-, Pharma- und Raffinerieprojekten – inklusive Referenzen bei DAX-Unternehmen. Für Sie bedeutet das: ein Ansprechpartner, der die Anforderungen entlang der Niederrheinschiene kennt, Fachgewerke integriert, Prüfungen sicher im laufenden Betrieb organisiert und die Dokumentation so aufbereitet, dass interne und externe Audits ohne Reibungsverluste laufen.
Ob Elektromontage und -installation, EMSR-Montagen, Schaltschrankbau nach EN 61439 oder Blitzschutz nach EN 62305 – im Verbund mit DGUV V3 und DIN EN 60079-17 entsteht ein durchgängiges Sicherheits- und Instandhaltungskonzept, das Ihre Anlagen schützt, Verfügbarkeiten sichert und Compliance nachweisbar macht.